Wahlsysteme · Grundtypen

Grundtypen von Wahlsystemen: Mehrheitswahl, Verhältniswahl und Mischformen

Ein Wahlsystem legt fest, wie aus Wählerstimmen Parlamentssitze werden. Weltweit gibt es Hunderte Varianten – sie lassen sich aber auf zwei Grundtypen und einige Mischformen zurückführen.

Was ein Wahlsystem regelt

Ein Wahlsystem ist mehr als „wer die meisten Stimmen hat, gewinnt“. Es besteht aus mehreren Bausteinen, die zusammen über das Ergebnis entscheiden:

Die zwei Grundtypen

Mehrheitswahl: Das Land ist in Wahlkreise aufgeteilt. In jedem Wahlkreis gewinnt, wer die (relative oder absolute) Mehrheit erreicht – alle anderen Stimmen bleiben ohne Sitz. Ziel ist eine klare Mehrheit im Parlament und damit eine stabile Regierung.

Verhältniswahl: Die Sitze werden nach dem Anteil der Stimmen verteilt. Eine Partei mit 20 Prozent der Stimmen erhält etwa 20 Prozent der Sitze. Ziel ist ein Parlament, das die Wählerschaft möglichst genau abbildet.

Die Politikwissenschaft – prägend etwa Dieter Nohlen – unterscheidet dabei zwei Ebenen: die Entscheidungsregel (Mehrheit oder Proporz) und das Repräsentationsziel (Mehrheitsbildung oder Spiegelbild der Wählerschaft). Ein System kann zum Beispiel in Wahlkreisen per Mehrheit wählen und trotzdem insgesamt proportional sein.

Mischsysteme

Viele Staaten kombinieren beide Prinzipien. Entscheidend ist, ob die beiden Teile miteinander verrechnet werden:

Weitere Stellschrauben

Häufige Fragen

Welches Wahlsystem hat Deutschland?

Bei der Bundestagswahl gilt die personalisierte Verhältniswahl: Die Erststimme entscheidet über Wahlkreisabgeordnete, die Zweitstimme über die Sitzverteilung zwischen den Parteien. Seit 2023 ist die Größe des Bundestags auf 630 Sitze festgelegt.

Was ist der Unterschied zwischen Mehrheitswahl und Verhältniswahl?

Bei der Mehrheitswahl gewinnt in jedem Wahlkreis nur die Person mit den meisten Stimmen. Bei der Verhältniswahl werden die Sitze nach dem Stimmenanteil der Parteien verteilt.

Was ist ein Mischwahlsystem?

Ein Mischwahlsystem verbindet Elemente der Mehrheits- und der Verhältniswahl, zum Beispiel Wahlkreisabgeordnete und Parteilisten. Ob das Ergebnis proportional ist, hängt davon ab, ob beide Teile miteinander verrechnet werden.

Weiterlesen